Wenn man in diesen Tagen die Schlagzeilen der Tageszeitungen
liest, so scheint die wichtigste Frage zu sein, ob die Aussage
von Mme. Boisselier (Direktorin der beteiligten Firma Cloneaid)
auf Fakten beruht oder nur Teil einer breit angelegten Werbekampagne
ist!

Dass irgendwann Informationen über das reproduktive
Klonen von Menschen an die Öffentlichkeit gelangen würden,
damit musste man rechnen - spätestens nachdem sich die Welt
nicht auf ein generelles Verbot einigen konnte, weil britische
und amerikanische Wissenschaftler auf die Möglichkeit des
"therapeutischen Klonens" nicht verzichten wollten und
seitdem gleich mehrere Forschergruppen einen nahen "Erfolg"
angekündigt hatten.
Wirklich erschreckend sind die Reaktionen der wissenschaftlichen
Welt, die sich primär darauf beziehen, dass nun ausgerechnet
eine obskure Sekte und nicht etwa ein etabliertes Wissenschaftlerteam
zum ersten Mal einen Menschen geklont haben will. Es werden Beweise
gefordert und die Möglichkeit bezweifelt, dass jemand außerhalb
des offiziellen Wissenschaftsbetriebes "gewonnen" haben
könnte.
Es wird darauf hingewiesen, dass die eingesetzte
Methode (übrigens die gleiche, die etablierte Biologen zum
Klonen des Schafes "Dolly" verwendet haben!) "noch"
nicht ausgereift sei und in Experimenten "zu viele"
Schangerschaftsabbrüche und Anomalien verursacht habe.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat neben
diesen wissenschftlichen Einwänden auch starke moralische
Bedenken gegen das Klonen von Menschen. Die DFG-Sprecherin Eva-Maria
Streier betont, dass der Fall Cloneaid möglicherweise als
Ansstoß dienen könnte, zumindest das "reproduktive
Klonen" weltweit zu verbieten.
Besteht demnach Hoffnung, dass sich die Forschergemeinde
doch noch einigt und den Regierungen empfiehlt, das Klonen zu
verbieten? Hat Cloneaid den anderen im Wettlauf um das erste Klonbaby
"die Tour vermasselt", egal ob es sich bei der Erfolgsnachricht
nun um einen Bluff gehandelt hat oder nicht?
Wahrscheinlich nicht!
Sicherlich haben die Verbindungen von Cloneaid zur
Raelianer-Sekte die Diskussion neu entfacht, allerdings nur auf
einer sehr emotionalen Ebene. Wäre nicht die Direktorin einer
kommerziellen Firma, die gleichzeitig die Bischöfin einer
Sekte ist, vor die Kameras getreten, um der Weltöffentlichkeit
die "Brave New World" zu verkünden, sondern der
Direktor eines staatlichen Institutes mit Professorentitel und
seriösem Dreiteiler, die Aufregung wäre bei weitem nicht
so groß!
Es wird viel über das "Wie" und viel
zu wenig über das "Ob" diskutiert. Wieso sollte
man Menschen überhaupt Klonen? Welchen Nutzen könnte
diese Technologie für die Menschheit haben? Warum sollte
jemand seine genetische Existenz verdoppeln wollen? Und welchen
Sinn könnte das haben? "Wenn ich schon kein Kind bekommen
kann, dann will ich wenigstens mich selbst haben!" Egozentrismus
total - selbst das vielzitierte"Egoistische Gen" hat,
auch nach Millionen Jahren im "Labor Natur", eine solche
Strategie bei den Säugetieren nicht etabliert.
Befürworter argumentieren häufig, dass
es zwei Arten des Klonens gäbe, sozusagen eine "böse"
- eben das Klonen zur Verdopplung eines Menschen und eine "gute"
- nämlich das therapeutische Klonen, bei dem beispielsweise
Organe oder Stammzellen hergestellt würden: "Wir wollen
doch nur Krankheiten heilen!"