"Patriot Act", "Patriot Act II"
- das lässt zunächst an eine Fortsetzungsgeschichte
à la Hollywood denken: Ist das der Neue Aktion-Knaller
mit Arnold Schwarzenegger oder Bruce Willis? In Wahrheit verbirgt
sich hinter diesen griffigen irgendwie typisch amerikanischen
Formeln der bisher ehrgeizigste Versuch der US-Administration,
das Prinzip des Überwachungsstaates in die Realität
umzusetzen. Und das emotional unterfüttert, patriotisch verklärt
und mit der aktuellen Terrorgefahr begründet.

Fernseh- und Radiospots, Plakate, Anzeigen - die
ganze Aktion mutet an wie eine kommerzielle Werbekampagne; sie
hat auch den entsprechenden Erfolg: Patriotismus hat in Amerika
im Moment Hochkonjunktur!
TIA - "Total Information Awareness" ist
das neueste Programm. Hier klingt bereits an, dass es um mehr
geht als um "awareness" (Aufmerksamkeit): die totale
Kontrolle über Informationen ist das Ziel. Unter der Leitung
der militärisch geführten "Defense Advanced Research
Projects Agency (DARPA)" - die in den 60er Jahren an der
Entwicklung des Internet beteiligt war (!) - sollen soviele Informationen
wie möglich von sovielen Bürgern (nicht nur amerikanischen!)
wie möglich zentral gesammelt, analysiert und staatlichen
Institutionen wie FBI, NSA, der US-Generalstaatsanwaltschaft,
DEA, Zoll etc. zugänglich gemacht werden.
Wer die Sammler und Profiler kontrollieren soll,
ist weitgehend unklar, etwa eine der genannten Institutionen?
George Orwell hätte seine Freude, wenn auch eine sehr zynische!
Doch zurück zum Patriot Act II. Was verbirgt
sich dahinter? Was für Folgen hat dieses Gesetz? Hier eine
Zusammenstellung wichtiger Punkte:
Alle Verhaftungen im Zusammenhang mit möglichem
internationalen Terrorismus dürfen geheim bleiben: Section
201: Prohibition of Disclosure of Terrorism Investigation Detainee
Information.
Die rechtstaatliche Kontrolle von Überwachungsaktionen
wird reduziert. Das Dekret gegen illegales Abhören wird abgeschafft:
Section
312: Appropriate Remedies with Respect to Law Enforcement Surveillance
Activities.
Die Kompetenzen der Strafverfolgungsorgane und Geheimdienste
werden gestärkt. Der Generalstaatsanwalt kann jeden Ausländer
ausweisen lassen, unabhängig vom Vergehen und sogar ohne
Gerichtsbeschluss. Einziges Kriterium ist die nationale Sicherheit,
welche ökonomische Interessen und außenpolitische Gründe
mit einschließt. Section
503: Inadmissibility and Removability of National Security Aliens
or Criminally Charged Aliens.
Der Generalstaatsanwalt kann Entscheidungen von
Gerichten bezüglich des Abhörens von Personen "unterlaufen".
Section 103: Strengthening Wartime Authorities Under FISA.
Die Regierung kann Entscheidungen auch des Obersten
Gerichtes (entspricht dem bundesdeutschen Verfassungsgericht)
überstimmen. Section
128: Administrative Subpoenas in Terrorism Investigations.
Die Bürgerrechte können einer Person aberkannt
werden, wenn diese eine Gruppe unterstützt, die der Generalstaatsanwalt
als terroristisch einstuft, auch wenn diese Gruppe bisher nicht
verboten ist. Section
501: Expatriation of Terrorists.
Es wird eine DNA-Datenbank für die des Terrorismus
Verdächtigten geschaffen; die Zuordnung von Personen zu dieser
Gruppe erfolgt durch den Generalstaatsanwalt: Section
301: Terrorism Identification Database.
Durch die generelle Aufhebung der Trennung zwischen
inländischem und internationalem Terrorismus werden die Restriktionen
für die Strafverfolgung in den USA selbst aufgehoben. Section
121: Definition of Terrorist Activities.
Terroristische Verbrechen werden mit der Todesstrafe
geahndet. Section
411: Penalties for terrorist murders.

Insgesamt bedeutet der "Patriot Act II"
eine Kräfteverschiebung innerhalb des rechtstaatlichen Systems
der USA auf die Seite der Exekutive.
Rechtswissenschaftler wie Prof. David Cole von der
Georgetown University warnen deshalb vor der Umsetzung dieses
Gesetzespaketes, da es den liberalen Rechtsstaat der Vereinigten
Staaten in Gefahr brächte, mit unabsehbaren Folgen für
die Rechtskultur.